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Mica Interview

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Blank Manuskript gehören vielleicht zu den ungewöhnlichsten Bands aus Salzburg, gleichzeitig stellt sich jedoch auch die Frage, warum es nicht mehr davon gibt, fand die Gründung doch im Keller des Mozarteums statt. Mit ihrem (teilweise auch sehr symphonischen) Prog- und Art-Rock hat sich die mehrköpfige Band nach diversen personellen Umgruppierungen mittlerweile zumindest in der internationalen Genre-Szene einen hervorragenden Ruf erspielt. Nach dem Debüt des Konzeptalbum “Tales from an Island” (2009) meldet sich gleich mal die finnischen Progressive Rock-Agentur Colossus Projects und verpflichtete Blank Manuskript für die teilname an einigen Sampler. Es folgten internationale Festivalauftritte und Tourneen. Mit den Zweitling “A Profound Path” (2013), bei dem es sich erneut um ein Konzeptalbum gehandelt hat, festigte die Band ihren internationalen Ruf. Jetzt liegt mit “The Waiting Soldier” erneut ein Konzeptalbum in den Startlöchern, dem u.a. Konzert am 05.04.2014 im Salzburger Jazzit und am 13.05.2014 im Salzburger Odeion folgen werden. Mittlerweile gehören zum aktuellen Live-Line Up Dominik Wallner (Piano, Electric Piano, Organ, Synthesizer, Vocals), Alfons Wohlmuth (Electric Bass, Bass Pedals, Flute, Vocals), Peter Baxrainer (Guitars, Vocals), Jakob Sigl (Drums, Percussion, Vocals), Manuel Schönegger (Trombone, Saxophone, Flute, Vocals). Für mica unterhielt sich Didi Neidhart mit Dominik Wallner und Alfons Wohlmuth.

Wie ist es zur Gründung von Blank Manuscript gekommen? Begonnen hat alles 2007, als wir (Anm. Alfons Wohlmuth und Dominik Wallner) uns mit Christian Breckner im Keller des Mozarteums trafen und beschlossen eine Band zu gründen, die sich von der konventionellen 4-Minuten-Schiene abheben sollte. Ganz neu war der Gedanke nicht, schließlich spielten wir beide bereits zuvor bei The Exhibition und da wurden schon erste Experimente mit längeren Songformen erprobt. Mit Christian fanden wir den idealen Gitarristen um an einem richtigen Konzeptalbum zu arbeiten.

War die musikalische Ausrichtung dabei schon vorher klar? Von Beginn an wollten wir uns diesbezüglich keine Grenzen setzen und ich denke, dass uns Stilgrenzen und genretypische Kriterien zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wichtig waren. Schließlich kamen wir alle aus den unterschiedlichsten Richtungen: ich hatte neben meiner Affinität für die Rockgrößen der 70er einen klassischen Schwerpunkt aufgrund meines Studiums und reges Interesse an freier Improvisation, Alfons war von Beginn an im Progressive Rock zuhause und Christan kam aus der Ska-Punk Ecke. Der Stil entwickelt sich dann immer aus den Anforderungen des Albums heraus. Dabei achten wir darauf, dass die Musik dem Konzept dient und nicht zwingend einem Stil zu folgen hat. Wichtig ist, dass am Ende ein musikalisch-literarisch stimmiges Produkt entsteht, dass im besten Fall über den bloßen Unterhaltungswert hinaus rezipiert wird.

Hat der Bandname auch einen konzeptuellen Grund? Der Bandname bezieht sich einerseits auf unsere Notenblöcke (Anm. Blank Manuscript Paper), ohne die wir nur selten außer Haus gehen und andererseits haben wir es uns zur Aufgabe gemacht diese leeren Notenzeilen mit unerhörten musikalischen Ideen zu füllen.

Ihr bezeichnet eure Musik als “Artrock” und bezieht euch dabei auf 1970er Bands wie Pink Floyd oder Camel. Wieso eigentlich? Was fasziniert euch an dieser Musik, die ja mittlerweile auch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat? Die Nähe zu diesen Bands wurde uns in vielen Reviews zugeschrieben und man darf dabei nicht vergessen, dass ohne Etikett im heutigen Business kaum was geht. Wieviele neue Beatles, Niravanas, Stones, etc. hat es nicht schon in den letzten Jahrzehnten gegeben. Berücksichtigt man dabei die Tatsache, dass Rockmusik in den 70ern im Wesentlichen Art Rock bzw. Progressive Rock war, ist es marketingtechnisch durchaus positiv in dieses Nahverhältnis gerückt zu werden. Die Faszination dieser Musik hat ja nie an Magie verloren, da es eine Musik ist, die Grenzen auflöst und somit an Abwechslungsreichtum und Überraschung kaum zu überbieten ist. Der 70’s Progressive Rock vermischt alle Musikrichtungen, die nötig sind um Ideen und Emotionen zu transportieren und wurde damals als dritte Kunstströmung neben Klassik und Jazz verstanden.

Gibt es andere aktuelle Bands in diesem Genre, an denen ihr euch orientiert bzw. die euch ähnlich sind? Nein! Wir orientieren uns nicht an aktuellen Strömungen sondern produzieren unsere Musik ohne Rücksicht auf Verluste. Es gab mal am Anfang eine Schweizer Band (AltF4) mit der wir kooperierten nur hat sich ihr Stil beklagenswerterweise stark geändert. Ansonsten sind uns in diesen Breiten keine vergleichbaren Gruppen bekannt. International vielleicht Steven Wilson …?

Geht es euch dabei eher um Neudefinitionen oder gleichsam Weiterführung von gewissen Traditionslinien innerhalb des Genres? Der einzigen Tradition, der wir stets treu bleiben ist die Idee des Konzeptalbums als Gesamtkunstwerk. Dass man dabei immer wieder in die eine oder andere Schublade rutscht ist verständlich, wenngleich ich mir schon die Frage stelle inwiefern sich gewisse Traditionslinien des Art Rocks, dessen Merkmal es ist möglichst vielfältig Spielarten zu kombinieren und Neues zu entdecken, überhaupt definieren lassen.

Eure Alben sind vor allem Konzeptalben. Was ist das Reizvolle daran? Das Konzeptalbum ist für den Progressive Rock, was das Streichquartett für die Wiener Klassik ist: die genretypische musikalische Form. Das gab es vorher und nachher nicht mehr in dieser Ausprägung. Unsere Zeit hat sich auf kurze, flüchtige Formen festgelegt: ein Radioformat ist um die 3-4 Minuten, viele Alben sind heutzutage nicht mehr als ein beliebiges Speichermedium für 11-16 Songs mit Plastikverpackung und Foto. Auf diese Weise entwertet man die Idee eines Albums. Downloads, Youtube und tragbare Player haben das Hörverhalten stark verändert. Niemand wäre bei einer Schallplatte auf die Idee gekommen einen Song zu überspringen oder einen in Repeat zu hören und auf diese Weise kamen alle Songs eines Albums in gleicher Weise zur Geltung. Wieviele Songs entdeckt man für sich erst nach dem 10. Mal anhören? Konzeptalben sind da noch konsequenter  – einen Song aus beispielsweise “Thick as a Brick” von Jethro Tull  herauszupicken hat keinen Sinn. Ebenso wenig würde es sich lohnen einzelne Takte aus einer Symphonie rauszuschneiden und im Radio zu spielen. Das Reizvolle an der Komposition von Konzeptalben ist die Tatsache, dass sich hinter der Musik mehr als nur kurz andauernde Unterhaltung bzw. Stimmung verbirgt. Das Ziel unserer Langformen ist es, den Rezipienten die Möglichkeit zur Versenkung in die Musik zu bieten. Selbst der Geschichte und der Aussage des Albums nachzuspüren, getragen von den emotionalen Regungen die durch die Musik ausgelöst werden. Das ist in den 10 Minuten im Bus zwischen Wohnung und Arbeit/Schule nicht möglich – wir empfehlen für bewusstes Anhören eine Flasche Wein, eine Couch und viel Zeit.

Seht ihr eure Musik eher als Programm-Musik, die einer vorgegebenen Narration folgt, oder kann das auch schon mal (musikalisch) freier angelegt sein? In der Regel komponieren wir nach einem vorher entworfenen Konzept. Insofern kann man durchaus von Programmmusik sprechen, obwohl sich beim Komponieren oder Arrangieren immer wieder kleine Änderungen einschleichen können, da sich eine andere Variante manchmal als besser erweist als der ursprüngliche Plan. Wenn wir dramaturgische Brüche oder Leerstellen haben so lassen wir diese zunächst auch zu und beginnen erst mit den klar umrissenen Teilen, weil sich im Schaffensprozess viele gute Ideen durch die starke Auseinandersetzung mit dem Stoff ergeben und die Lücken füllen.

Wie entstehen die einzelnen Stücke? Bei “Tales From An Island – Impressions from Rapa Nui” ist ja fast alles von Dominik Wallner komponiert worden. Wird da schon mit den kompletten Songstrukturen in den Proberaum/das Studio gekommen, oder entwickeln sich das dann erst zusammen als Band? Wir hatten damals eine einfache Regel: wer die Kernidee bringt gilt als Komponist. Von fertigen Songstrukturen konnte da, außer bei “After the War Part 1”, nicht gesprochen werden. Ohne Alfons und Christian wären diese Ideen nie so realisiert worden. Generell ist die Kompositionsweise von Album zu Album verschieden. Während bei “Tales from an Island” Musik und Text noch großteils von Einzelnen verfasst worden ist, wurde die Basis zu “A Profound Path” komplett von uns beiden (Alfons und Dominik)  erarbeitet. Ein ganz wesentlicher Prozess ist das anschließende Arrangement welches gemeinsam mit den anderen Instrumentalisten erarbeitet wird. Mit ihren Kenntnissen erhalten die Songs noch die  entscheidende Prägung. Für unser drittes Album (erscheint voraussichtlich im Mai 2014!!!) “The Waiting Soldier” war die Herangehensweise wiederum anders. Mit zwei Songs und einem fertigen Konzept gerüstet, verbrachten wir eine Woche in einem Haus in Kroatien und arbeiteten täglich 12 Stunden an den Kompositionen und Aufnahmen, was sich als ausgezeichnetes Rezept für einen neuen Sound erwies.

Was fasziniert euch an den Geschichten, die ihr vertont und wie findet ihr sie? Wir suchen nach Stoffen die auf den ersten Blick fern der Alltagswelt liegen, bei genauerem Hinsehen aber viele Anknüpfungspunkte an aktuelle Lebensumstände bieten. Nur wer sich einer intensiveren Auseinandersetzung öffnet wird diese Parallelen entdecken. Für die Auftragswerke gab es meist literarische Vorgaben.

Wie ist der Kontakt zur finnischen Progressive Rock-Agentur Colossus Projects zustande gekommen? Das Mail von Colossus kam aus heiterem Himmel in einer Zeit, in der Blank Manuskript erstmals große personelle Schwierigkeiten hatte. Wir mussten schnell reagieren und stellten eine Studioband aus musikalischen Wegbegleitern zusammen, in der sich unter anderem unser ehemaliger Studiosänger als Drummer auszeichnete. Unser erstes Projekt war dabei mit Sicherheit das Nachhaltigste. Die Aufgabe war es, das nur unzureichend veröffentlichte Werk “Death” der Schwedischen Progressive Rock-Band Dice neu zu interpretieren, was uns trotz des fehlenden Notenmaterials und der minderwertigen Aufnahmequalität des Originals gelang. Seither sind wir gern gehörte Colossus-Kollaborateure.

Daraufhin entstanden Teilnahmen an den Samplern “Dante’s Divinia Comedia Part II – Purgatorio”, “Rökstenen – A tribute to Swedish Progressive Rock of the 70’s”, “Dante’s Divinia Comedia Part III – Paradiso”, “The Tales of Edgar Allan Poe” sowie “The Stories of H.P. Lovecraft”. Was haben euch diese Teilnahmen künstlerisch und ökonomisch bzw. euren Bekanntheitsgrad betreffend gebracht? Diese Projekte haben uns erstmal auf den Radar der Progressive Rock-Community gebracht, was sich aus vielen positiven Reviews aus den entferntesten Winkeln (sogar Usbekistan) der Welt ablesen ließ. Außerdem wurde im Zuge dessen unser eigenes Album bei Musea (Anm. frz. Label) gelistet. Ökonomisch bringen aber derartige Projekte kaum etwas – leider.

Ihr seid daraufhin auch bei grossen, internationalen Festivals aufgetreten. U.a. dem BalticProg-Festival 2009 in Litauen, dem Out in the Gurin 2011 in der Schweiz, oder dem Spirit of Woodstock 2011 in Italien. Da scheint es ja eine durchaus grosse internationale aktuelle Art/Prog-Rock-Szene zu geben. Andererseits wird das von den Medien doch eher als Nischen-Phänomen wahrgenommen, wo Fans für saurare alte Platten Unsummen ausgeben und aktuelle Entwicklungen in dem Genre eher so als komisch-kuriose Pop/Rock-Parallelwelten betrachtet werden. Wie seht ihr das? Man muss das differenziert betrachten. Es gibt zwei Arten von Festivals, die uns buchen: einerseits Veranstalter aus der Prog-Szene (die weltweit sehr klein ist), wie beispielswwiese das BalticProg, andererseits mutige junge Veranstalter, die sich auch Experimente zutrauen. Beim Out in the Gurin spielten wir erstmals einen Slot von 12:00 – 13:30, als alle noch in den Zelten lagen. Nach und nach kamen viele herausgekrochen und aufgrund des positiven Echos wurden wir im Jahr darauf als Headliner mit Visuals und Lightshow gebucht. Das war schon etwas Besonderes! Die Schweiz ist in diesem Sinne viel offener und da würde ich mir auch von heimischen Festivals mehr Mut wünschen. Live ist unsere Musik nämlich wirklich ein außergewöhnliches Erlebnis. Medientechnisch sind wir natürlich schon aufgrund unserer überlangen Songs abgemeldet. Da gibt es außer den freien Radios und dem Internet kaum Chancen für uns. Es stört mich aber gar nicht ein Nischenprodukt zu sein, unser Publikum ist geduldig, kauft noch gerne Alben (schließlich ist bei einem Konzeptalbum ja auch das Booklet von großer Bedeutung) und wenn ein Veranstalter was Ausgefallenes sucht ist er bei uns goldrichtig. Mehr Aufmerksamkeit wünscht sich doch jeder aber wir sind zufrieden und wer weiß vielleicht kommt das Artrock Revival noch…?

Braucht es für die Musik, die ihr macht eine musikalische Ausbildung, oder kann man sich dem “Art-Rock” wie ihr ihn macht auch autodidaktisch nähern? Viele klassische Art- & Prog-Rock-Bands bestanden ja auch aus Leuten, die einerseits klassische Ausbildungen hinter sich hatten bzw. andererseits eher aus Blues/Rock-Kontexten kamen. Schwer zu sagen, Autodidakten sind eher selten aber schließlich ist Alfons ein lebendes Beispiel dafür, dass es gut möglich ist, vor allem wenn man sich so intensiv mit dieser Musik auseinandersetzt wie er. Trotzdem fällt es auf, dass wir derzeit außer Alfons ausschließlich studierte Musiker im Line-Up haben. Es lässt sich einfach schneller arbeiten wenn alle ein gewisses Rüstzeug mitbringen. Egal ob komplizierte Rhythmen oder besondere Modi – wenn die Begriffe allen geläufig sind fällt die Kommunikation leichter. Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass es unterschiedliche Typen innerhalb einer Band gibt, die ganz andere Aufgaben abdecken: Virtuose, Komponist, Arrangeur, etc… Ich denke ähnlich wie der Musikwissenschaftler und Soziologe Edward Macan, dass der Progressive Rock zunächst von der gut situierten Mittelschicht Englands, in der die jungen Kreativen in der Regel eine fundierte musikalische Ausbildung hatten, ausging.

Gibt es eigentlich Ausbildungsstätten, wo jenes Know-How gelehrt wird, auf das es bei eurer Musik ankommt? Offiziell ist uns nichts bekannt und in Österreich gibt es mit Sicherheit nichts. Wer sich als Musiker einen breiten Horizont erarbeitet und in vielen Stilen zumindest einigermaßen bewandert ist, hat beste Voraussetzungen die eingetretenen Pfade zu verlassen. Gute Musiker gibt es in allen Bereichen – am Ende ist es entscheidend was du machst.

Gibt es in Salzburg spezielle Affinitäten zu Art- bzw. Prog-Rock? Ich wünschte wir könnten diese Frage bejahen, allerdings ist Salzburg in dieser Hinsicht ein hartes Pflaster. Es ist dennoch ein Segen, dass wir hier ein so gutes Netzwerk entwickeln konnten um diese Form der Musik zu realisieren. Schon so viele Menschen haben Blank Manuskript auf alle erdenkliche Weise unterstützt und dafür möchten wir uns bedanken. Unsere große Hoffnung ist es, dass diese Affinität durch uns vielleicht einmal entsteht.

In eurer Selbstbeschreibung geht es um “symphonische”, “mystische” Musik und um “komplexe Arrangements”. Inwieweit sind das Vorlieben, die euch auch bei anderen Band gefallen und inwieweit geht es dabei auch um Herausforderungen selber diesen Ansprüchen gerecht zu werden? Es gibt nichts motivierenderes als gemeinsam an komplexen Arrangements zu arbeiten, vor allem wenn es länger dauert bis es live realisierbar ist. Seit es Blank Manuskript gibt sind wir an unseren Ideen und den damit verbundenen musikalischen Anforderungen gewachsen. Egal ob 12-Ton Riffs, polyphone Formen oder rhythmisch ausgefallene Kreationen – alles wird mit Neugier und Eifer geübt bis es sitzt. Das symphonische Element bietet eine Klangvielfalt, die im Rockidiom nicht erwartet würde. Seit wir mit Bläsern auftreten und mittels Synthesizern, Mellotron und Effekten das Soundspektrum erweitert haben gibt es kaum Grenzen für uns. Und diese Entgrenzung ermöglicht es uns und dem Publikum eine mystische Erfahrung zu machen. Ich denke, dass in jeder Musik etwas Heiliges oder ähnliches steckt und diesen Wert mit anderen zu teilen spielt eine entscheidende Rolle. Solchen Ansprüchen gerecht zu werden ist schwer aber dafür proben und spielen wir!

Wie wichtig waren für euch die Tour- und Festival-Erfahrungen, auch im Hinblick auf die Wichtigkeit von Vernetzungen gerade bei Szenen/Genres, die gerne als “Nische” bezeichnet werden? Vor allem in der Schweiz haben wir von der Vernetzung profitiert. Out in the Gurin, Sud Basel, Pärkli Jam, Bar59 etc. sind das Ergebnis einer konsequenten Entwicklung. Wir waren wirklich überrascht, als wir hörten, dass unser Name den Schweizern ein Begriff war. Wir haben immer gesagt – auch in den Zeiten, in denen es personell schwierig war – eine Band existiert nur solange sie live spielt! Das hat sich bewiesen.

Eure Anfang Mai erscheinende neue CD heißt “The Waiting Soldier”. Worum geht es dabei thematisch und wie unterscheidet sie sich von euren bisherigen Veröffentlichungen?
Das zentrale Thema des Albums ist die eigene Sinnfindung und die Suche nach dem rechten Platz in der Welt. Wir haben lange überlegt, welche Figur am besten passen würde und haben uns schließlich für den Soldaten entschieden. Zum einen weil ein Soldat aus heutiger Sicht tatsächlich ‘überflüssig’ ist und zum anderen weil die Distanz zu diesem Leben groß genug ist um die Geschichte frei entwickeln zu können. Zudem wird der inkonsequente Charakter der Figur dadurch besser illustriert: schließlich bleibt sie trotz der gesellschaftlichen Rollenzuschreibung ein Außenseiter, da niemand den Platz des Soldaten beansprucht und ein solcher auch nicht benötigt wird. Es ist also ein wenig pseudo… darum auch `The waiting Soldier’: dass die Figur aktiv ihr Leben beeinflusst wird entlarvt, in Wahrheit wartet sie lediglich ab, ist also passiv. Es bietet sich durch die Distanz auch eine Identifikationsmöglichkeit für Menschen, die in unserer heutigen Zeit schwer ihren Platz finden. Die Frage nach dem woher und wohin ist in jedem Fall dieselbe.

Der Titel hat sich ergeben weil fast das gesamte Album lang der selbsternannte Soldat einfach nur in Wachstellung ausharrt und dabei seine Gedanken spielen lässt. Zudem unterscheidet sich dieses Album vor allem in der Entstehungsgeschichte von unserem bisherigen Output. Die gesamten Backing Tracks wurde bereits vor einiger Zeit bei einem Band-“Urlaub” aufgenommen, für den wir ein Haus in Kroatien gemiete hatten, das wir für eine Woche in ein Tonstudio umgewandelt haben. Sinn dieser Aktion war es, daß die gesamte Band in dieser Zeit wirklich zu 100% auf das Projekt und das Konzept fokusiert war. Weiters hat wirklich die gesamte Band an dem Album mitgearbeitet und die meisten Songs sind ohne Vorarbeiten tatsächlich erst dort entstanden, was dem ganzen Album viel Abwechslungsreichtum gegeben hat. Das Album hat allerdings nach Aufnahme der Backing Tracks lange auf einem verlorengeglaubten Speichermedium dahinvegetiert, was dazu geführt hat, daß Dominik und ich erst einige Monate danach das Album wiederaufgegriffen haben und fertig konzeptioniert haben. Sehr interessant ist, daß wir auf diesem Album viele Gastmusiker für die Overdubs mitgewirkt haben, was die Vielfältigkeit noch mehr unterstreicht und die vielen Stile und Feinheiten noch interessanter macht.

D.h., ihr habt eure musikalischen Ansprüche noch einmal hinaufgeschraubt? Genau. Das musikalische Konzept ist durch den vielfältigen Einsatz von Gastmusikern sehr groß geraten. Das liegt auch an der von Alfons beschriebenen Arbeitsweise: nach dem alle Basistracks in Kroatien aufgenommen wurden war das Zeug verschollen und jetzt haben wir gut ein halbes Jahr mit Overdubs zugebracht. Neben klassischen anmutenden Passagen (v.a. durch die klassische Gitarre  von Cecilio Perera und klassischem Gesang von Georg Dürnberger) hat das Album einige sehr groovige Teile, etwas was man sonst bei uns nicht so häufig hört, für uns jetzt aber wichtig war um improvisatorische Anteile zu erhöhen. Durch die gemeinsame kompositorische Arbeit sind die Songs viel dichter und kompakter geworden. Auch im Hinblick auf die Verarbeitung der Themen und dem Umgang mit den Tonarten ist dieses Konzept viel ausgefeilter. Echter Art Rock also!

Ein Wort noch zur Soundcollage gegen Ende des Albums: Hier wird die Tontechnik eine entscheidende Rolle spielen (Tonmeister Manuel Schönegger) – es soll wirklich wie eine Art Traumsequenz die Geschichte nochmal reflektieren, ehe dann das Ende anschließt mit dem bereits genannten offenen Schluss.Doch trotz der opulenten Produktion werden wir versuchen das Ganze nächstes Jahr mit Unterstützung von Gastmusikern auf die Bühne zu bringen. Wenn alles so kommt wie geplant, wird es in einer für Salzburg sehr speziellen Location aufgeführt, aber mehr können wir noch nicht verraten…

Was gibt es sonst noch für Zukunftspläne? In naher Zukunft steht die Veröffentlichung von “The Waiting Soldier” an und am 13. Mai 2014 laden wir zu einem besonderen Konzert ins Odeion: “Tales from an Island” wird in voller Länge live und mit Gästen auf die Bühne gebracht. Einer dieser Gäste ist ein wohlbekannter Musiker aus Salzburg, der sich auch dem Konzeptalbum verschrieben hat: Renato Unterberg. Das wird ein außergewöhnlicher Abend, der vom Stipendienträger für Film 2010, Adrian Goiginger als Material für einen Konzertfilm mitgeschnitten wird. Im Herbst werden wir dann wieder mit mobilem Studio für eine Woche wegfahren und was dabei entsteht, werden wir 2015 erfahren. So long …

Danke für das Interview.